Wie kommt der französische Ortsname „Kleinvillars“ nach Württemberg? Eine Spurensuche nach den Waldensern im frischen Märzwind 2022

Kreisender Milan auf Ausschau über den Auen bei Kleinvillars –
der Frühjahrswind pfeift über unsere Erkundungstour
Meine Informationen basieren auf den Inhalten der Homepage der „Deutschen Waldenservereinigung e.V“, gerne zitiere ich daraus:
die katholische Kirche bezeichnete im Mittelalter die Anhänger von Valdes, einem wohlhabenden Bürger des 12. Jh. aus Lyon, als „Waldenser“. Er hatte die Evangelien in die Volkssprache übersetzen lassen und wollte fortan wie ein „Jünger Christi“ leben, verteilte sein Vermögen an Arme und zog predigend durch die Straßen. Ein gefährlicher Entschluss, denn kein Laie durfte sich anmaßen, ohne bischöfliche Genehmigung zu predigen. Im Jahre 1184 wurden die Waldenser als Ketzer verurteilt, so mussten sie ihrer Mission im Untergrund nachgehen. Ihr wichtigstes Zentrum waren schwer zugängliche Bergtäler in den Cottischen Alpen, das Grenzgebiet zwischen Frankreich und dem Herzogtum Savoyen-Piemont.
Kleinvillars
Die Wanderprediger waren einheimische Bauernsöhne. Sie zogen als waldensische Siedler auch nach Südfrankreich ins Luberon und nach Kalabrien in Süditalien.
Im Jahr 1520 brach Martin Luther öffentlich mit dem Papst. Überall machten sich nun Menschen daran, die Kirche zu reformieren: sie sollte nicht länger dem Papst untergeordnet sein, sondern sich nur nach der Bibel richten. Das sprach den Waldensern aus dem Herzen, sie schlossen sich 1532 der Reformation an.
Unserem Aussichtspunkt entgegen (Hütte – Bildmitte links oben)
Die Waldensergemeinden blieben nur kleine protestantische Inseln innerhalb der katholischen Welt. Und diese reagierte mit Gewalt: im Jahr 1545 wurde die Waldenserbewegung im Luberon komplett vernichtet. 1561 geschah dasselbe in Kalabrien.
Im Piemont wurden sie mit Gewalt bedroht. Sie erhielten dort jedoch bewaffnete Unterstützung von ihren französischen Glaubensgeschwistern jenseits der Grenze. Der Herzog von Savoyen musste schließlich nachgeben und ihnen gestatten, ihren calvinistisch-reformierten Gottesdienst öffentlich auszuüben. Ein Recht, das im Vertrag von Cavour besiegelt wurde.
Im Aalkistensee einmal Wasser geschnappt
Hofgut am See
Auf zum Aschberg
Blick zurück zum Hofgut am Aalkistensee
Trotz des Vertrags von Cavour versuchte der Herzog von Savoyen immer wieder, die Waldenser unter Zwang zu rekatholisieren – aber vergeblich. Schließlich gelang es ihm mit französischer Hilfe im Jahr 1686, die Waldenser zu unterwerfen. Alle, die sich weigerten, katholisch zu werden, wurden ausgewiesen.
Einige hundert von ihnen kehrten jedoch 1689 heimlich aus dem Exil zurück ins Piemont. Einer ihrer Anführer war Pfarrer Henri Arnaud. Diese sogenannte „Glorreiche Rückkehr“ war der Beginn eines heftigen Guerillakrieges in den Bergtälern.
Die politische Entwicklung in Europa kam den Waldensern zu Hilfe: protestantische Großmächte wie England und die Niederlande griffen ein und übten so starken Druck auf den Herzog von Savoyen aus, dass er die Rechte der Waldenser wieder offiziell anerkennen musste.
Naturschutzgebiet
Von Kleinvillars zum Aschberg
Ab jetzt bergauf
Der Sonnenkönig Ludwig XIV verbot 1685 den reformierten Glauben in Frankreich. Mehr als tausend französische Waldenser zogen daraufhin nach Deutschland, die meisten suchten jedoch Zuflucht in den benachbarten piemontesischen Tälern. Aber keine 10 Jahre später wurden sie auch von dort wieder vertrieben.
Dem Himmel entgegen
… tankt Sonne
Wengerter-Idylle
verschollene Zuflucht
Parkbucht vom Feinsten
Blick zurück vom erreichten Aussichtspunkt
Ölbronn im Gegenlicht
Funkmast auf dem Aschberg (332 m)
Mühlacker Sender in der Ferne
Wieder abwärts
Der Dreißigjährige Krieg hatte die Bevölkerung in Deutschland dramatisch ausgedünnt, viele Felder lagen brach. Hier sollten die meisten der vertriebenen Waldenser angesiedelt werden, denn die meisten von ihnen waren Bauern. Die Waldenser aus dem unteren Chisonetal im Piemont wurden Württemberg zugewiesen. So zeugen noch heute die Ortsnamen wie Pinache, Serres, Perouse, Groß- und Kleinvillars von ihrer Herkunft.
Immer was zu entdecken
In der Abendsonne in Kleinvillars zurück
Kurz noch einen Blick auf die evangelische Kirche, …
… vor der wir die Küsterin antreffen. Sie schließt die Kirche auf und erklärt uns …
… die Bedeutung der Glasmalereien
Der Glaube der Waldenser, dem Evangelium treu zu folgen, zeigt sich noch heute in der Ausgestaltung der Kirche:
kein Kreuz, das Evangelium aufgeschlagen, mit einem kleinen Wald-Wiesen-Blumengruß und das Leitmotiv „Lux lucet in tenebris“ –
„Das Licht leuchtet in der Finsternis“.
Zum Abschluss statten wir dem Friedhof in Kleinvillars einen Besuch ab
Besonders prachtvoller Sonnenuntergang beschließt den Tag

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