Pyrenäen, Andorra und der Papst – TEIL 3/ 3 – September 2026

Der sechste Reisetag – Freitag. Auf der Strecke zum geistlichen Höhepunkt der Reise: Lourdes 🙂

Schweigend zieht die Landschaft an uns vorbei. An den kargen Hängen weiden vereinzelt Schafe.
Von meinem Hotelzimmer in Loudes aus, begegnet mir bereits Polizeipräsenz.
Entscheide mich, ist ja wohl selbstverständlich, in die Stadt zu schlendern und nach den heiligen Orten Ausschau zu halten.
Polizei-PKW links und rechts, Polizisten in Gruppierungen.
Spannung liegt in der Luft. Ein Mitreisender erzählt mir, er habe einen Taucher im Fluss gesehen, der die Brücken von unten her absuchte.
Im Gewimmel verlaufe ich mich, gehe den Hügel hoch und wieder runter. Dafür sehe ich etwa 10 Polizeiwagen an mir vorbeifahren. Die Stadt ist im Fieber.
Die Damen freuen sich offensichtlich über ein Pläuschchen.
Der Grund der Aufregung, heute ist Freitag, der 26. September 2026, und morgen kommt der Papst.
Sanctuaire Notre-Dame de Lourdes taucht auf. Man könnte auf ein wenig Stille und Versenkung hoffen.
Der Himmel ist offen, die Taube als Symbol des Friedens ist frei.
Alle kommen oder gehen. Noch ist es ruhig auf dem Platz.
Eingangsportal.
Rings herum sind in den Nischen die markanten Lebensabschnitte von Jesus Christus bildlich abzulesen. Bewegung herrscht, doch es ist still hier drin. Vor den einzelnen Mosaiken stehend, spüre ich so etwas wie spirituelle Realität.
Wieder im Freien zieht es mich zu dieser Festung Château Fort Musée Pyrénéen.
Die Presse hat ihren Standort auf dem Gelände bezogen.
Nun doch etwas zügig zum Eingang hinaus.
Am Fluss Gave de Pau vorbei, ich komme von rechts hinter und gehe nun links die Anhöhe hoch zum Château.
Im Ort habe ich ein kleines Geburtstagspräsent für eine liebe Freundin mit der Aufschrift „Lourdes“ erstanden.
Hier oben, 17:00 Uhr, ist jetzt Feierabend, Aufzug zur Festung und Museum sind geschlossen. Aufzugsgebühr wäre 9,00 € gewesen.
Dann also zum Hotel zurück. Die Polizeipräsenz nimmt eher zu. Ein merkwürdiger Tag in Lourdes.
Da die meisten Besucher wohl Pilger im weitesten Sinne sind, ist auch das Hotelzimmer schlicht.
Quadratisch, praktisch, gut.
Das servierte Drei-Gang-Abendessen war ein Genuss (schauen Franzosen mehr auf’s Essen als auf’s Wohnen?).
Der Papst kommt heute, da sind wir bereits schon lange wieder auf Fahrt.

Mein Fazit des gestrigen Tages:

Lourdes setzt schon vor dem Besuch das Vorstellungsvermögen ordentlich in Bewegung. Trotz der Unruhe in der Stadt ging es ohne Aufregung zu. Das Innere der Sanctuaire Notre-Dame de Lourdes hat meine Seele angestimmt. Ein Mitreisender, der sich selbst als nicht gläubig bezeichnet, erzählte mir, dass ihm, ohne Einfluss darauf zu haben, die Tränen gekommen sind.

Die Stadt hat für mich eine eigene Atmosphäre zwischen Geschäftigkeit und menschlicher Sehnsucht/ Hoffnung.

Der siebte Reisetag – Samstag. Heute ist die Rückfahrt von Lourdes nach Lyon mit ca. 710 km dran. Nach einigen Stunden Busfahrt machen wir den Zwischenstopp des Tages in Carcassonne.

Vom etwas weiter weg gelegenen Busparkplatz zielen wir alle die mittelalterliche Festung La Cité in Carcassonne an, eine Stadt in der südfranzösischen Region Languedoc.
Die ersten Mauern wurden in gallorömischer Zeit errichtet, die meisten Erweiterungen folgten im 13. und 14. Jh.
Beeindruckend sind die zahlreichen Wachtürme und die Doppelmauer. Überall Getümmel, der freie Blick hier trügt.
Château Comtal, eine innerhalb der Festung gelegene Burg aus dem 12. Jh.
Die meisten Touristen tummeln sich in einer geschäftigen Einkaufsgasse. Diese Gasse gilt als schon sehr beruhigt.
Außerhalb der Touristengasse gibt es beschauliche Ecken.
…
Der Blick gleitet über Carcassonne. In die Stadt zu gehen, reicht die Zeit nicht. Habe genug von alten Mauern und Touristen, mache mich daher zurück auf den Weg zum Bus. Die restlichen 450 km bis Lyon warten auf uns.
Wieder im selben Hotel in Lyon wie auf der Herreise, nur in einem anderen Zimmer.
Genug der Busfahrt für heute. Wieder lockt ein lecker Abendessen mit unterhaltsamen Gesprächen. Diese Gespräche innnerhalb der Reisegruppe sind ebenfalls ein beachtlicher und angenehmer Teil der Reise 🙂

Mein Fazit des Tages:

Den ganzen Tag im Bus nehme ich für eine insgesamt großartige und abwechslungsreiche Reise in Kauf. Carcassone zeigte enorme Ausmaße und ließ mich darüber stauen, mein Herz hat es nicht gerührt. Der Aufenthalt bedeutete eine Pause, um sich zu bewegen und noch ein paar Eindrücke mitzunehmen.

Der achte Reisetag – Sonntag.

Das Finale der Rückfahrt und Ende der Reise. Von Lyon bis zum Flughafen in Stuttgart Echterdingen, meinem Ausstiegsort, sind es noch einmal ca. 630 km. Einzige Zwischenstation mit Aufenthalt ist heute die Stadt Beaune.

Beaune, eine von Mauern umgebene Stadt im Zentrum des Weinanbaugebiets Burgund. Übersichtlich und gut zu durchwandern.
Kultur und Wein.
Die Stadt mit ihren Kopfsteinpflasterstraßen, die von den Weingütern der Côte d’Or umgeben wird, ist für ihre jährliche Weinauktion bekannt.
Auch ein Porsche-Treffen findet heute statt.
Eine Burg, verstärkte Stadtmauern und vier Türme wurden zwischen 1513 und 1524 ergänzt und gebaut.
Im 19 Jh. nutzten die Ordensschwestern des Hospitalordens den Gipfelgarten als Promenade. Das mag hier gewesen sein.
Die meterdicken Mauern der Bastionen und unterirdischen Gewölbe dienen heute nicht mehr der Verteidigung. Sie bieten stattdessen die perfekte, gleichmäßige Temperatur und Luftfeuchtigkeit für die Reifung von Burgunder-Weinfässern.
Vom Hôtel-Dieu, dem ehemaligen Krankenhaus aus dem 15. Jahrhundert, erhasche ich sein charakteristisches Dach aus farbenfrohen, geometrisch angeordneten Ziegeln.
Währenddessen kümmert sich unser Busfahrer um die Sauberkeit der Windschutzscheibe.
Ihm sei das letzte Bild meiner Fotoserie gewidmet. Er hat uns sicher und mit aller Ruhe über weit mehr als 3.000 km geführt.

Fazit der Reise:

Erfüllt, angeregt und mit ganz neuen Eindrücken, Erfahrungen und Begegnungen, holt mich mein Freund am Abend vom Busparkplatz des Echterdinger Flughafens ab. So viele innere und äußere Bilder wollen verarbeitet werden. Auch ein paar besonders gute Begegnungen während der Fahrt können durch den Austausch von Emailadressen weiterhin vertieft werden. Auch drauf freue ich mich. Eine lohnende Reise 🙂

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