Der Geist will nach oben – für Magda – Ostfriesland im Juli 2026 -Teil II einer Busreise in fünf Teilen

Das Ostfriesische Küstengebiet mit dem Wattenmeer, als Teil des 2009 von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannten Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Damit steht es auf einer Stufe mit dem Grand Canyon in Amerika und dem Great Barrier Reaf in Australien. Wir erleben ein Gefühl von ostfriesischer Freiheit.

Teil II: Neuharlingersiel und Rysum

Unsere Residenz für 7 Tage. Die tom Brok waren ein mächtiges ostfriesisches Häuptlingsgeschlecht, das seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts versuchte, Ostfriesland zu beherrschen. Der letzte tom Brook starb 1435.
Ostfriesische Häuptlinge waren mächtige lokale Adlige, die im 14. und 15. Jh. die politische Macht übernahmen. Sie lösten die „Friesische Freiheit“ ab – eine demokratisch anmutende Selbstverwaltung der Bauern und freien Friesen ohne zentrale Herrscher. (Wikipedia)
Im Hotel fühlen wir uns rundum wohl.
Wir starten in den Tag und …
… kommen nach einer Busfahrt in Neuharlingersiel an. Das Land wurde durch Deichbau gewonnen, der Ort 1693 erstmals erwähnt.
Der Hafen ist auch für die Hochseefischerei geeignet.
Wenn Häuser früher bei extremen Sturmfluten – wie der verheerenden Weihnachtsflut 1717 oder der Blasiusflut 1825 – bis unter das Dach überflutet wurden, konnte der Auftrieb des Wassers das Dach oder den losen Dachboden von innen anheben und wegschwemmen. Das Hausdach diente den Menschen dann als eine Art schwimmende Rettungsplattform.
Hier wartet, lt. unserer kompetenten und herzlichen Reiseleiterin, das vollbesetzte Fährschiff auf mehr Wasser, um auslaufen zu können.
Ein Stockanker (mit einem Stock aus Holz) aus dem 16. Jh., der zu einem etwa 60 m langen Schiff gehörte. Er wurde 2003 vom Kapitän eines Fischkutters in der Otzumer Balje geborgen.
Die Bronzeplastik zeigt einen Altfischer und einen Jungfischer. Die beiden blicken in verschiedene Richtungen – zum Hafenbecken und zum Siel (Deichdurchbruch) – um die Bedeutung der Küstenfischerei zu würdigen.
Niedrigwasser.
Zwischen Deich und Wattenmeer liegen die Salzwiesen. Abschied von Neuharlingersiel.
An der Küstenstraße entlang fahren wir westwärts.
Wieder ein Sielhafenort: Greetsiel.
Ich mache mich auf die Socken und suche das Nationalparkhaus Greetsiel auf.
Die Brandgans.
Im Nationalparkhaus Greetsiel tauche ich in eine atemberaubende Welt ein.
Schautafeln, Exponate, anschauliche Erklärungen rund ums Wattenmeer und dessen Bewohner faszinieren mich zutiefst.
(Fotos und Texte sind von den dortigen Dokumentationen)
Der Rotschenkel.
Das Gebiet zwischen Greetsiel und Rysum ist die Krummhörn. Weite Marschenlandschaft mit fruchtbaren Böden, Warfendörfern, dem Seedeich und dem Wattenmeer davor. Watt, Wiesen und Felder sind der Lebensraum für zahlreiche Vogelarten.
Die Krummhörn ist Europäisches Vogelschutzgebiet.
Ein Miteinander von Menschen und Natur ist die Idee des UNESCO-Biosphärenreservats.
Robbe und Seehund.
Der Begriff Robbe ist der Oberbegriff für alle im Wasser lebenden Raubtiere. Der Seehund ist eine spezielle Art innerhalb dieser Familie. Jeder Seehund ist also eine Robbe, aber nicht jede Robbe ist ein Seehund.
Das Watt als Teil des Wattenmeeres, der im Wechsel der Gezeiten regelmäßig überflutet wird und wieder trocken fällt. Die natürlichen Abläufe in diesen Lebensräumen sollen fortbestehen.
Ob Gänse oder Löffler, bei allen Zugvögeln kommt es darauf an, dass sie vor dem anstrengenden Flug genug Kraftreserven zulegen können. Störungsfreie Rastplätze und gut erreichbare Nahrung sind daher von größter Bedeutung.
Die Bedeutung der Jahreszeiten für die Tier- und Pflanzenwelt wird in den Räumen des Nationalparkhaus Greetsiel erklärt.
Salzwiesen im Detail und …
… von oben.
Im Frühling beginnt die Blüte des Dänischen Löffelkrauts, eine der wenigen Blütenpflanzen, die den widrigen Bedingungen der Nordseeküste trotzen. Zugvögel kehren aus ihren Winterquartieren zurück und machen Station im Wattenmeer, bevor sie in nördliche Brutgebiete weiterziehen. Deichschafe bringen ihre Lämmer zur Welt. Vögel sind mit Balz, Paarung und Nestbau beschäftigt.
Im Sommer blühen Strandflieder und Strandaster, Insekten schwirren, Jungvögel wachsen heran und auf den Sandbänken verweilen Seehunde in der Sonne und bringen in Ruhe ihre Jungen zur Welt.
Im Herbst wird das Wattenmeer Drehscheibe für Millionen Zugvögel.
Der Winter ist eine stille Zeit im Wattenmeer. Würmer, Muscheln und Krebse ziehen sich bei kalten Temperaturen in tiefere Bodenschichten zurück und sind somit als Nahrungsquelle für Vögel unerreichbar. Ähnlich verhält es sich mit den Insekten.
Verabschiede mich vom Nationalparkhaus, ein Besuch ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
Die Busfahrt geht in südlicher Richtung durch die Krummhörn weiter nach Rysum.
Der Campener Leuchtturm ist ein so genannter Stahlfachwerkturm. Mit 65,30 m Höhe ist er der höchste Leuchtturm Deutschlands. Er wurde 1889 erbaut und sein Leuchtfeuer leitete seitdem die Schiffe sicher an Borkum vorbei in die Emsmündung. (Text: Greetsiel)
Wir erblicken ihn im Vorbeifahren.
Rysum.
In der evangelisch-reformierter Kirche bekommen wir eigens für unsere Reisegruppe ein kleines Orgelkonzert.
Diese Orgel von etwa 1457 ist die älteste, weitgehend original erhaltene und noch bespielbare Orgel Deutschlands.
Für Orgelliebhaber eine Wonne.
Laut Überlieferung bezahlten die Bauern das Instrument einst mit ihren besten Kühen.
Rue de Cezanne in Rysum, schlendernd erreichen wir die Mühle, in deren Nebenhaus wir Tee schlürfen dürfen.
Erst lecker Tee, dann Besteigung der Mühle.
Beim Tee versteht der Ostfriese keinen Spaß 🙂
Zuerst kommt ein Kluntje (Kandis) in die Tasse, darauf wird der kräftige Ostfriesentee gegossen. Mit dem Rohmlepel (Sahnelöffel) wird die Sahne am Tassenrand aufgetragen, um ein Wulkje (Wölkchen) zu bilden – nicht umrühren! (Text: ostfriesland.travel)
LECKER und dazu: Rosinenkuchen mit dick Butter.
Die Rysumer Mühle von innen.
Fun Fakt: unsere liebenswürdige Reiseleiterin – eine echte Ostfriesin – ist in dieser Mühle aufgewachen, als Müllerstochter 🙂
Auf der Galerie der Mühle, tolle Aussicht von hier oben.
Sie diente dem Müller als Arbeitsfläche, um die Mühle in den Wind zu drehen, die Segel an den Flügeln zu setzen und die Mühle zu warten.
Bilder an der Wand, die wir beim Teetrinken betrachteten. Mit diesen Impressionen treten wir die Heimreise zum Auricher Stadthotel an.
Wasser, Marsch (dem Wattenmmer abgewonnenes Land) und Fehnlandschaft (entwässertes, kultiviertes Moor) sind hier allgegenwärtig.
Ein zweiter, sehr abwechslungsreicher und lehrreicher, auch genussvoller Reisetag neigt sich in den Abend hinein. Schön war’s.

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