Pyrenäen, Andorra und der Papst – TEIL 1/ 3 – September 2026

unsere einwöchige Busfahrt führt uns von Stuttgart aus durch Frankreich nach Spanien. Jeden Tag eine neue Etappe und neue Erfahrungen, lustige und nachdenkliche Mitreisende, ein Gemisch aus Erlebnishunger, Neugierde, Aufbruchstimmung und im Durchschnitt, beste Laune.

Erster Reisetag, Sonntag.
Nach ca. 380 km angekommen in Besancon. Die Stadt im Osten von Frankreich mit knapp 120.000 Einwohnern.
Entschlossen kraxeln einige von uns über abenteuerliche Stufen hinauf zur Zitadelle von Besancon.
Das Haupttor begrüßt, eine kleine Taschenkontrolle durch den netten Mann in Uniform ist fällig.
Die Grundsteinlegung der eigentlichen Befestigungsanlage erfolgte am 29. September 1668 unter der spanischen Krone.
Von rechts nach links, über die Brücke, gelange ich in den geschichtsträchtigen inneren Festungsbereich.
Der zwischen 1681 und 1683 gebaute Brunnen war ursprünglich etwa 132 Meter tief. Die hölzernen, aktuell noch vorhandenen Teile des Brunnens stammen aus 1790. Er ist noch immer zum Teil gefüllt und 118 Meter tief und erreicht eine phreatische Zone unterhalb des Grundwasserspiegels.
Das Wasser hatte keine Trinkwasserqualität, es diente ausschließlich der Reinigung und als Trinkwasser für die Tiere. Das Trinkwasser wurde über Wassertanks sichergestellt, in denen Regenwasser gesammelt wurde. (Text aus Hinweisschild)
Neben dem Brunnen das Denkmal der Hinrichtungspfosten.
Zwischen 1941 und 1944 wurden hier 100 Menschen von den Besatzern erschossen, darunter 98 vom deutschen Kriegsgericht zum Tode verurteilte Widerstandskämpfer. Es erfasst mich das pure Entsetzen.
Rechts der Brunnen, halb durch den Baum verdeckt und vor uns die Stefanskapelle Chapelle Saint-Étienne.
An derselben Stelle stand früher die alte Kathedrale Saint-Étienne aus dem 11. Jahrhundert.
Das Denkmal auf dem damaligen Hinrichtungsplatz befindet sich rechts hinter dem Erdhügel zwischen Brunnen und Kapelle.
Einmal dem Himmel ganz nah …
… mit Blick auf die Altstadt Besancons.
Kunst zwischen Mauern.
Den Rückweg angetreten aus diesen Mauern des Schreckens und des Erinnerns.
Zurück zum Busparkplatz und ein letzter Blick hinauf zur Befestigungsanlage.
Unsere Busfahrt unterliegt einem verhältnismäßig engen Zeitplan. Das nächste Ziel ist das Hotel in Lyon.
Nach weiteren ca. 240 km kommen wir gegen Abend im Companile-Hotel Lyon an und checken als knapp 40 Reisende ein.
Bin mit meinem Einzelzimmer sehr zufrieden, …
… der Sanitärbereich hygienisch sauber und mit der Fototapete einladend gemütlich.
Der zweite Reisefahrtag – Montag – beginnt.
Nach lecker Frühstücksbuffet geht’s Richtung Pyrenäen und Andorra mit insgesamt ca. 620 km Fahrstrecke.
Außer der Landschaft, die grandios an uns vorbeizieht, schauen wir keine speziellen Sehenswürdigkeiten an. Sind gegen Abend im Hotel.
Der dritte Reisetag – Dienstag – ein Erlebnistag zum Niederknien.
Von unserem Hotel in La Massana kutschiert uns der Busfahrer über eine Serpentine nach der anderen zum Coll de la Botella (2069 m), was soviel wie „Flaschenhals“ heißt, weil hier Berge und Schluchten eng zueinander zulaufen.
In Andorra liegt die Baumgrenze je nach Region, Ausrichtung und Neigung zwischen 2.100 und 2.400 Metern Höhe; mehr als ein Drittel der gesamten Landesfläche liegt oberhalb dieser Baumgrenze (KI/ Wikipedia). Nach der Rundumschau auf Serpentinen wieder zurück.
Nun zur Hauptstadt von Andorra „Andorra la Vella“. Hier leben ca. 24.500 Menschen.
Bei geringem Einkommen liegen die Steuern bei 0%, bei mittlerem Einkommen bei 5% und im Spitzensteuersatz bei 10%.
Die Mehrwertsteuer bei 4,5%. Vermögen-, Erschaft- und Schenkungsteuer gibt es keine. Für manche ein Grund zum Tanzen 😉

Das Wappen Andorras auf der Glasfront des neuen Parlaments (Einkammerparlament).
Im Spiegel das historische Parlaments- und Justizgebäude.

– Oben links: Symbol für den Bischof von Urgell, der bis heute eines der beiden Staatsoberhäupter (Kofürsten) Andorras ist.
– Oben rechts: Symbol der Grafen von Foix.
– Unten links: das traditionelle Symbol von Katalanien.
Unten rechts: das Emblem der historischen Vizegrafschaft Béarn.
Brunnen in der Altstadt. Der traditionelle Volkstanz Contrapàs wird jedes Jahr beim lokalen Stadtfest Festa Major aufgeführt.
Unsere Reisegruppe schlendert durch die Altstadt, viele der angepriesenen Kaufmeile zu. Ich bleibe und genieße das Altstadtflair.
Vorbei an einem weiteren Brunnen. Das heutige „leichte“ Leben verglichen …
… mit ganz anderen, wesentlich härteren Zeiten.
Mein Interesse begrenzt sich auf die Altstadt. Die von der Tages-Reiseleiterin angepriesene moderne Einkaufsstraße lasse ich außer Acht. Die Haupt- und Pfarrkirche von Andorra la Vella Sant Esteve stammt im Kern aus dem 12. und 13. Jh. und zeigt sehr wohltuend die romanische Architektur in den Pyrenäen.
Eingangsbereich und Glockenturm wurden 1940 umgebaut und neu gestaltet. Ich trete ein.
Der Atem der Stille – ach, welche Wohltat.
…
Wieder im Freien. „Angel del trapezi“ (2008) von Fernando de Blasi – eine fünf Meter hohe Skulptur aus Eisen.
Göttliches und Irdisches im Kontrast: Ein Engel, der für Leichtigkeit und das Göttliche steht, wird hier mit der körperlichen Anstrengung und der Schwerkraft eines Zirkusartisten konfrontiert. Das Spannungsfeld zwischen spiritueller Sehnsucht und realer, schwerer Arbeit. (KI)
Das Gebäude „Casa de la Vall“ habe ich schon vor der Reise gegoogelt, es steht als ein „must“ auf meinem Reiseplan.
Im Türsturz eingraviert (übersetzt): Haus des Rates und Sitz der Justiz. Heute dient es als Museum.
Eines der ältesten Parlamente Europas (1702 bezogen).
Für mehr als drei Jahrhunderte war das Gebäude Zentrum des parlamentarischen Lebens und der Sitz der Gerichte des Landes.
Die Ausstattung soll vermitteln: ein ländliches Parlament in der ländlichen Welt der Pyrenäen.
Symbole des Staates: Flagge, Wappen und Hymne.
Flagge: Blau ist auf Frankfreich bezogen, Gelb und Rot auf Foix (historisches Territorium im Süden Frankreichs) und/ oder Katalonien.
Der Saal der verlorenen Schritte.
Für die Räte von damals war dieser Raum ein Ort der Reflexion und des Gedankenaustauschs. Die Akteue gingen umher, unterhielten sich und schärften ihre Argumente. Auch ich stelle meinen Rucksack ab und schärfe meine Eindrücke.
Der Sitzungssaal.

Noch heute bilden der französische Staatspräsident und der spanische Bischof von Urgell gemeinsam als Kofürsten das offizielle und gleichberechtigte Staatsoberhaupt von Andorra. Zwar ist ihre Rolle seit dem Inkrafttreten der ersten andorranischen Verfassung im Jahr 1993 größtenteils symbolischer und zeremonieller Natur, sie besitzen jedoch nach wie vor einige konkrete verfassungsrechtliche Befugnisse und Vetorechte.
Truhe für die Dokumente des ehemaligen Consell wie Korrespondenz, Protokolle, Rechnungsbücher. Dank der Schmiedearbeit ist es unmöglich, die Truhe zu öffnen, ohne alle sieben Schlüssel zu haben, einen für jede Pfarrei.
Hier aßen die Räte während der Tage, die sie im Haus verbrachten, was mehrere Tage sein konnte.
Funfact: statt Viedeoguide habe ich als Besucherin leihweise, zusammengeheftete kopierte Papierseiten bekommen mit vielen guten Informationen zum Haus und seinen Funktionen. Als ich vor dem Verlassen frage, ob ich das Handout käuflich erwerben könne, ist die junge Dame am Empfang überfragt und schenkt es mir kurzerhand. So verbleiben mir die Textunterlagen, ich freue mich 🙂
Wir als Reisegruppe sammeln uns wieder, um in die Berge zu fahren zur nächsten Sensation.
Zum Abschied der Blick auf die besichtigte Stadtkirche in der Hauptstadt Andorras Andorra la Vella und auf eine bemalte Hauswand.
Wir ziehen weiter. Die unermüdlichen Serpentinenstraßen geben tolle Ausblicke und gehen letztlich auch auf Nerven und Magen 😉
Angekommen im Santuari de Meritxell, das 1527 m hoch gelegene Nationalheiligtum Andorras. Ruinen der alten Kirche wurden in den modernen Bau aus Glas und Naturstein integriert.
Die Besonderheit: die Öffnung der Kirche zur Natur hin.
Im Hintergrund links ist ein Teil der nahestehenden Kapelle zu sehen.
Diese angrenzende ehemalige Kapelle fiel den Flammen zum Opfer, …
… sie wurde wieder aufgebaut.
Eine Überleitung zu einigen, der in der Kirche von Meritxell ausgestellten Modelle der wichtigsten und schönsten Bergkapellen von Andorra. Gedanklich begebe ich mich zu ihnen …
… und staune.
Eine Bergkapelle bezaubernder als die andere.
Über ein Dutzend dieser Miniaturkirchen sind hier ausgestellt.
Wir nehmen Abschied von Kirche, Kapelle und diesem Bergdorf. Die Häuser wurden früher Stein auf Stein gebaut.
Im ganzen Land bleiben bei Neubauten die Steinfassaden erhalten, werden jedoch auf Beton aufgesetzt. Hier schön zu sehen.
Wieder zurück im Hotel. Mein gemütliches Einzelzimmer nahe der Hauptstadt für insgesamt vier Nächte.
Weiterschauen ist möglich in Pyrenäen, Andorra und der Papst – Teil II.

Mein Fazit bis hierher:

die lange Anreise im Bus war durchaus anstrengend. Der Zwischenstopp in Besancon mit dem Erklimmen der Festung tat dem Körper gut und die Zitadelle beeindruckte aufgrund ihrer enormen Größe.

Das Companile-Hotel in Lyon war prima.

Die Bergfahrt zum Coll de la Botella sowie der Ausblick auf die Bergwelt der Pyrenären war beeindruckend und gab meiner Seele Luft.

Die Hauptstadt von Andorra Andorra la Vella drängt sich mit billigen Preisen in der Einkaufszone auf. Da ich mich nicht „bedrängen“ ließ, kam ich im historischen „Casa de la Vall“ voll auf meine Kosten. Die Altstadt ist sehens- und erlebniswert.

Die Kirche Santuari de Meritxell im luftigen Glasbaustil, die vielen Modelle von Bergkapellen sowie die verhängnisvolle Geschichte der Kapelle neben der Kirche gaben der Reise Tiefe. Insgesamt großartig 🙂

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